So viel Arbeit! So wenig Zeit!!!

Zur Probe aufgelegt. Jetzt finden wir heraus, wie und wo die Dreipunktelagerung konstruiert und montiert werden soll.
März 2011: Einiges ist passiert seit wir den Iveco importierten. Die Pritsche hat unser Landmaschinenmech, Koni Staub aus Hagenbuch, demontiert und nach kurzer, gemeinsamer Planung eine Dreipunktelagerung verbaut. Der Iveco kann sich nun verwinden und der Container bleibt dabei steif.
Das Miltärbüro, welches im Innern des Containers installiert war, habe ich demontiert, unendlich viele Nieten ausgebohrt, Löcher gespachtelt und den Innenraum mit 2K-Farbe gestrichen. Als nächstes kommt dann noch die Bodenfarbe und dann kann der Ausbau beginnen.
Die Zwillingsbereifung hat mein Lastwagenmech der Firma Vetterli in Ohringen durch eine Singelbereifung ersetzt. Die Kompletträder habe ich bei Bat-Trade in Deutschland bestellt. Die Auspuffanlage war durchgerostet und wird ersetzt, Servicearbeiten sind auch gemacht. Der Tacho muss in Folge neuen Radumfangs angepasst werden.
Profis am Werk.
Nachdem alles ausgebaut und die Löcher gespachtelt sind, folgen die Malerarbeiten. Zehn Tage später strahlt unsere Wohnung in neuer Farbe.

Die Reifen

Mit leichtem Spott bezeichnen die Lastwagenmechaniker die alten Räder als "Wienerli". Tatsächlich wirken sie würstchenhaft neben den neuen Walzen.
Die Reifenwahl ist fast schon eine Religionsfrage, folgt man den verschiedenen Foren im Netz. Auch wir müssen uns dieser Frage stellen, die Reifen auf unserem Iveco sind über zehn Jahre alt, da nützt auch das tadellose Profil nichts: Wir brauchen neue Reifen.
Unser Iveco kaufen wir mit Zwillingsbereifung. Für uns ist schnell klar, dass wir auf Singelbereifung umrüsten. Wir werden uns auch neben asphaltierten Strassen bewegen und wir befürchten Reifenschäden durch Steine, welche sich zwischen die Zwillinge schieben. Auch wollen wir mit gesenktem Luftdruck fahren können.
Der Umbau scheint auf den ersten Blick einfach zu sein. Ich finde genügend Bilder im Netz von Ivecos mit Singelbereifung. Die Nato fährt auch mit solchen Fahrzeugen herum. Das gilt alles für Deutschland und wir merken, dass die Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz grösser sind, als wir uns vorgestellt haben. Iveco Schweiz kann uns nicht viel weiter helfen. Im Gegenteil, wir erhalten eine Freigabe für die Felgengrösse 20 - 10.0, welche nicht mehr im Handel zu finden ist. Darauf sollen Reifen mit dem Format 14.0 R 20 montiert werden.
Fast schon verzweifelt wende ich mich an das Strassenverkehrsamt. Da treffen wir unerwartet auf unkomplizierte Beratung. Wir kriegen das OK für die Standardbereifung 385/65R22.5 auf 8 Lochfelgen 11.75x22.5. Bei Bat Trade in Deutschland kann ich ein Umrüstset bestellen mit Distanzscheiben, Radmuttern, Reifen und Felgen. Wir entscheiden uns für ein Baustellenprofil und ordern den Michelin XZY3.
Der Lastwagenmechaniker der Vetterli AG in Ohringen ist überrascht, wie einfach die Reifen zu montieren sind. Die einzige Herausforderung - wenn man dem so sagen kann - ist die Justierung des Tachos. Das Reserverad im 385-er-Format lässt sich montieren, der Böschungswinkel hinten nimmt natürlich ab. Dafür ist der erste Widerstand hinten im unteren Bereich aus Gummi.

MFK: Der Termin naht

Durchgang zwischen Kabine und Container: Zwei Schiebefenster schaffen eine einfache Möglichkeit von hinten nach vorne zu kriechen.
Anstrengende Malerarbeiten. Dafür sieht er langsam so aus, wie wir ihn uns vorgestellt haben.
Anfangs Mai 2011: Die Arbeiten am Iveco schreiten voran. Am 5. Mai steht der Vorführtermin an. Bis dann muss unser Iveco als «Schwerer Wohnmotorwagen» durchgehen. Dazu braucht es ein WC, eine Kochgelegenheit, mindestens ein Fenster, eine Wasserstelle, Betten, Sitzgelegenheit, einen Tisch und einen Feuerlöscher.
Auch muss die Farbe schon die richtige sein, damit wir den Fahrzeugausweis nicht nochmals umschreiben müssen. Wir rechnen drei Tage ein, um zu zweit Kabine und Container zu malen. Wir rollern dann aber fünf Tage und das von früh bis spät. Die Farbe zieht zu schnell und wir müssen Vollgas geben, damit keine Übergänge zu sehen sind.
Am 4. Mai arbeite ich bis 23 Uhr. Dann kann ich nicht mehr. Am 5. Mai bin ich um 7.30 Uhr wieder beim Iveco und drehe noch die letzten Schrauben hinein. Nun fahre ich den LKW in die Garage, damit noch der Abgastest gemacht werden kann.
Um 12.45 Uhr stehen wir im Strassenverkehramt und die grosse Prüfung beginnt. Viele Papiere haben sich angesammelt, die nun wohlsortiert im Ordner auf den Tisch des Experten kommen. Prüfung um Prüfung übersteht der Iveco problemlos. Die letzte Station ist der Bremsprüfstand. Auf der Vorderachse ist eine Bremsdifferenz zu erkennen. Der Experte schüttelt den Kopf. Nun haben wir 14 Tage Zeit, den Mangel zu beheben.
Zurück in der Garage verstehen die den Umstand auch nicht richtig. Als unser Iveco bei ihnen auf dem Prüfstand war, war alles noch in Ordnung. Am späten Nachmittag erhalten wir die Hiobsbotschaft: Der Bremszylinder ist futsch und das Ersatzteil ist bei Iveco nicht mehr zu beschaffen. Man versichert uns aber, dass es eine Lösung geben werde. Entweder finden sie ein Ersatzteil oder dann wird eben umgebaut.
Es ärgert uns zwar, dass wir nicht auf Anhieb durch die Prüfung gekommen sind, aber uns ist es trotzdem lieber, dass so etwas Wichtiges wie die Bremsen hier in der Schweiz noch in Ordnung gebracht werden. Man stelle sich vor, wenn wir unsere Fuhre wegen defekter Bremsanlage mitten in Afrika in einer Rinderherde zu stehen bringen und wir nachher 4 Monate Rindsfilets essen müssten... ;-)
17. Mai 2011: Die Bremszylinder sind ersetzt und der Fahrzeugausweis ist ausgestellt. Auf diesen Moment haben wir lange gewartet. Jetzt ist unser Fahrzeug endlich offiziell im Verkehr zugelassen und die Verschiebungen von einem Montageort zum anderen werden einfacher. Nun können wir auch ein Probereisli planen, um zu schauen, wie sich unser Iveco anfühlt!

Vorgeführt ist er, aber die Papiere…

Man könnte meinen, wir seien die ERSTEN der Schweiz, die für längere Zeit den Fuss ins Ausland setzen! Dran bleiben ist die Devise und nicht aufgeben! Mit entsprechendem Nachdruck lässt sich dann doch plötzlich allerhand regeln. So auch auf dem Strassenverkehrsamt, wo mir die nette Dame am Schalter den Fahrzeugausweis nicht ausstellen wollte, weil sie behauptete, ein deutsches Papier würde fehlen. Nach einigem Hin und Her und v.a. meinem Gejammer, dass ich ihretwegen schon am Morgen von Pontius zu Pilatus gerannt war, um alle Papiere auf ihren Tisch legen zu können, ging es auch ohne fehlendes Papier und der Iveco war endgültig eingelöst.

Neuer Tank

Die auf den ersten Blick günstige Lösung erweist sich im Nachhinein als teuer…
Unser Iveco ist serienmässig mit einem 100 Liter Tank bestückt. Bei einem Verbrauch von 20 bis 26 Liter macht so das Reisen wenig Freude. Auf dem Autoabbruch bei Kuhn finden wir einen 440 Liter Tank für Fr. 300.-, welcher einen guten Eindruck hinterlässt.
Nach dem Kauf und der genauen Prüfung stellt sich aber heraus, dass der Tank an verschiedenen Orten Flüssigkeit verliert (beim Testen wird Wasser verwendet). Die Löcher werden gelötet, der Tank wird grundiert und montiert.
Die Firma Kuhn zeigt sich kulant und übernimmt die Kosten für die Reparatur.

Die Kabine

Kühlschrank, Radio und Lautsprecher, Ventilator und Rückfahrkamera.
Viel Platz für die Kinder zum Spielen, Malen, Bücher anschauen, Sitzen, Liegen, etc.
Unser Iveco war ein Fahrschulfahrzeug. So ist der Beifahrersitz luftgefedert, also da, wo der Fahrlehrer sitzt. Der Fahrersitz ist nicht gefedert, der Fahrschüler sitzt ja nur gerade für seine Lektion da, während der Fahrlehrer den ganzen Tag da sitzt. Warum ein Fahrschulfahrzeug eine Doppelkabine mit vier zusätzlichen Sitzen braucht, haben wir nie richtig verstanden. Wie auch immer, für uns ideal. Wir belassen die Sitzbank und bauen ein Regal zwischen die erste und zweite Sitzreihe. Da sind die Spielsachen unserer Kinder für die Fahrt untergebracht. Weiter montieren wir unseren Engel-Kompressor-Kühlschrank von früher, so dass wir unterwegs kühle Getränke haben.
Musik muss sein, so bauen wir ein Autoradio mit Anschluss fürs iPhone ein. Dazu müssen auch Lautsprecher eingebaut werden, die platzieren wir hinter die Fahrer- bzw. Mitfahrersitz, damit die Kinder in der hinteren Reihe auch etwas hören können. Zwischen die 24 Voltversorgung des LKWs bauen wir einen Spannungswandler auf 12 Volt für das Autoradio ein.
Auch montieren wir einen Ventilator, schliesslich haben wir keine Klimaanlage. Weiter reissen wir die ganze Innenverkleidung heraus. Das hässliche Militärolive soll möglichst verschwinden. Wir isolieren die ganze Kabine mit Extremisolator. Diese Isolation hat nicht nur einen Effekt auf das Klima, sondern auch auf die Geräusche, die deutlich abnehmen. Die Isolation baue ich mit meinem Bruder einen Tag vor der Abreise ein. Dazu arbeiten wir von 06.30 Uhr bis fast um Mitternacht.

Heckplattform und Staukästen

Heckplattform: Hier kommen die Velos der Kids hin.
6. Juli 2011: Der Leiterrahmen unseres Ivecos überragt den Koffer um knapp einen halben Meter. Um diesen Platz nicht zu verschenken, bauen wir direkt auf den Rahmen ein Riffelblechboard. Durch die gestanzten Löcher lassen sich Gurten schlaufen, so dass wir alles Mögliche darauf befestigen können. Für ein gemütliches Frühstück reicht der Platz allerdings nicht...
Wir montieren einen Staukasten für Werkzeug, Grill und weiteres unsauberes Zeugs. Den Kasten gehört original zum LKW, wir haben ihn leicht angepasst und wieder montiert. Weiter lassen wir einen Kasten für unsere zwei 11kg-Gasflaschen bauen. Ganz hinten werden noch zwei abschliessbare Körbe für 20-Liter-Kanister angebaut. Man weiss ja nie…
Nach der Beschriftung schaut er schon richtig fertig aus.